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So nach den letzten beiden sehr weihnachtlichen Rezepten, gibt es zwischendurch wieder einmal einen Klassiker. Für mich zumindest, denn uns Beide verbindet eine kleine Tradition. Irgendwie schon witzig (oder auch seltsam), dass ich mir einem Stückchen Germgebäck eine Anekdote gemeinsam habe. Aber überzeugt euch selbst und macht euch ein Bild von meiner Geschichte in Bezug auf Mohnbeugel.

DAMALS (klingt jetzt so, wie wenn es vor 10 Jahren war) als der Kevin noch in Graz studierte, hatte er sich ein kleines Ritual zurecht gelegt um durch den Tag zu kommen und am besten ohne große Depressionen, weil einmal mehr ein völlig verwirrter alter Professor etwas von lateinischen Klagen daher gefaselt hat. Im Vorfeld müsst ihr noch wissen, dass ich damals immer mit dem Zug von mir zu Hause nach Graz gependelt bin. Mindestens 3 Mal in der Woche. Überall muss man ja nicht Anwesend sein und bei manchen Dingen war man zwar körperlich dort, jedoch die Gedanken ganz wo anders.

Aber wir schweifen ab. Gut, beim rauffahren, bin ich dann immer Schnurstraks in Richtung Bäcker geschlendert und was fiel mir da immer ins Auge? Na klar, ein Nussbeugel – haha, ihr dachtet jetzt sicher, dass ich Mohnbeugel schreibe, aber falsch gedacht, dass kommt noch. Nach schier unzähligen Momenten des Anstehen durfte ich endlich nach diesem Nussbeugel greifen und dem ein oder anderen Weckerl auch noch, aber die waren nur Nebendarsteller. Schnell noch ein Kaffee und ab ging es zur Uni.

Ihr könnt euch bestimmt vorstellen wie lange die Lebensdauer dieses Beugels war? Genau, am Bahnhofsvorplatz war es schon nicht mehr existent. Tja, so is(s)t das Leben. Den langweiligen Uni-Tag erspare ich euch jetzt einmal und wir springen vor, zu dem Zeitpunkt, wo ich wieder einmal am Bahnhof bin. Der Magen zieht mich förmlich wieder in die Richtung des Bäckers. Wie könnte er anders, ist ja mein Magen. Dort angekommen – und jetzt kommt es – liebäugelte ich immer wieder, Tag ein Tag aus, mit einem Mohnbeugel. Wenn man hinter dem dünnen Germteig schon die dicke Mohnfülle sieht, da läuft einem doch einfach das Wasser im Mund zusammen und kann nicht anders, als eines mitzunehmen.

Und wie lange vermutet ihr bei dem Teil die Lebensdauer? FALSCH – es wurde erst im Zug seinem Schicksal zugeführt, in meinem Verdauungstrakt zu landen. Armes Ding, glücklicher Kevin! Aber nur so konnte ich meinen Tag überstehen und immer wieder aufs Neue wurden Nuss- und Mohnbeugel vernascht und der Stress vergessen. Wie weggeblasen. Was so eine kleine Sache im Leben alles bewirken kann.

Das traurige ist ja nur, da ich schon seit Oktober 2014 in Linz studiere, fällt meine Tradition aus und das bedeutet, dass ich auf andere Mittelchen und Wege zurückgreifen muss. Daher wird in die Hände gespuckt (bildlich) und losgebacken. Ich hab mich schon so auf den ersten Bissen gefreut und ich kann euch eines sagen: Selbst gebacken, schmecken sie einfach noch 100000000mal besser.

Ich weiß ja jetzt nicht, in wie weit ihr meiner geistigen Gesundheit noch traut, aber ich habe noch ein paar Dinge, die ich euch sagen muss. An dem kommenden Mittwoch, habt ihr einmal ‚frei‘ von mir, was ein Rezept betrifft, da wird es einen kleinen Bericht geben, dafür geht’s am Wochenende voll um. Aufgeregt wie ein kleiner Schuljunge, der aber nicht zu viel verraten darf. Aber ihr werdet es schon noch früh genug herausfinden. Bis dahin wünsche ich euch noch einen wundervollen Sonntag und bis dann.


MOHNBEUGEL

Zutaten

Beugelteig:

  • 75 ml Milch, lauwarm (47°C)
  • 30 g Zucker
  • 1 1/2 Packungen Trockengerm (oder: 3/4 Würfel frischer Germ)
  • 1 Ei
  • 225 g Mehl
  • 1 TL Salz
  • 100 g Butter, weich und klein gewürfelt
  • 1 Ei + 1 EL Milch

Mohnfüllung:

  • 125 ml Milch
  • 2 EL Butter
  • 100 g Zucker
  • 1 Packung Vanillezucker
  • 170 g Mohn, gemahlen
  • 75 g Rosinen, fein gehackt
  • etwas Zitronenabrieb
  • 1 Prise Zimt

Zubereitung

  1. Am Vortag für den Beugelteig: Die Milch zusammen mit dem Zucker und dem Trockengerm (oder frischem Germ) in einer Schüssel mischen und kurz stehen lassen. Bis die Mischung zum blubbern anfängt und sich verdoppelt. Sollte dies nicht passieren, war entweder die Milch zu warm/kalt oder der Germ nicht mehr gut.
  2. Zur Milch-Mischung nun das Ei geben und verrühren. Nun auch das Mehl und Salz dazu und mit den Knethaken oder in der Küchenmaschine verkneten. Währenddessen immer wieder etwas von der Butter dazugeben und solange verkneten, bis die Butter aufgenommen wurde und der Teig elastisch wird. Ca. 7-10 min.
  3. Den Teig in eine leicht gefettete Schüssel legen, mit Frischhaltefolie abdecken und für mindestens 8 Stunden oder über Nacht in den Kühlschrank stellen.
  4. Gleichzeitig oder kurz danach für die Füllung: Milch, Butter, Zucker und Vanillezucker in einem kleinen Topf aufkochen. Mohn und Rosinen reinrühren und etwa 5 min. bei mittlerer Hitze dünsten lassen oder bis die Flüssigkeit vom Mohn aufgenommen wurde. Vom Herd nehmen und den Zitronenabrieb und den Zimt unterrühren. In eine Schüssel füllen, zudecken und ebenfalls für 8 Stunden oder über Nacht in den Kühlschrank stellen.
  5. Am Backtag: Den Backofen auf 180°C Ober- und Unterhitze (165°C Umluft – wenn beide Backbleche gleichzeitig in den Ofen sollen, dann Umluft verwenden) vorheizen und 2 Backbleche mit Backpapier belegen.
  6. Den Teig aus dem Kühlschrank holen und kurz auf der bemehlten Arbeitsfläche durchkneten. Nun den Teig in je 40 g-Portionen teilen und zu kleinen Kugeln rollen. Die Füllung auch in etwa 40 g-Portionen aufteilen und zu Würsten rollen, die in etwa 5 cm lang sind.
  7. Nun je eine kleine Teigkugel zu einem flachen Kreis mit etwa 7-8 cm Durchmesser ausrollen, einen Teil der Füllung im unteren Drittel platzieren und von dort aus aufrollen. Die Enden und die Naht verschließen und zu einer Sichel eindrehen.
  8. Jeweils 6 Mohnbeugel auf ein Blech setzen und mit der Mischung aus Ei und Milch bestreichen. Wer möchte kann noch etwas gemahlenen Mohn darauf streuen.
  9. Für 25-30 min. backen oder bis sie goldbraun sind. Komplett abkühlen lassen.
Euer Kevin von